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Bahnhofstraße 41
In einem kleinen Dörfchen im Taunus erlebte ich wenn auch mit kleinen Unterbrechungen meine Kindheit. Damals war Anspach im Taunus noch eine kleine Gemeinde. Sie überwiegend aus Bauernhöfen auf denen die Feldarbeit und die Nutztiere im Vordergrund standen. Es gab einen kleinen Konsum, eine Apotheke, einen kleinen Friseur sowie einen Laden, wo man sich mal hin und wieder Kleidung kaufen konnte. Schliesslich fuhr der Bahnbus zur Kreisstadt nur zweimal am Tag. Das grösste Gebäude in unserem Dorf war unsere Kirche und das Gemütlichste, unser kleines Backhäuschen. Dort kamen wir Dorfkinder einmal wöchentlich zusammen, beladen mit unseren Blechen, um das Brot backen zu lassen. Das war nämlich damals unsere Arbeit – der Beitrag von uns Kindern. Wir mussten in Haus und Hof altersgemäss unseren Beitrag leisten. Es war eine sehr schwere, lehrreiche und schöne Kindheit aus der ich Euch hier einige kleine Geschichten erzählen möchte. Geschichten von damals. Zeiten, in denen man mich das kleine Kieselsteinchen nannte.
Wer mag, kann mich gerne auf meiner Reise in die Vergangenheit begleiten. Auch wenn vieles nicht immer leicht war wie sagt man? "Aber schön war es doch!"
In meinen kleinen Geschichten werden wir zusammen alles noch einmal aufrollen und diesem Haus und seinen Bewohnern ein Denkmal in die Herzen setzen. Das Haus an der Bahnhofstraße mit der Nummer 41.
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Das alte Haus
Mir kam das Haus zu jener Zeit und auch später niemals alt vor. Es war weder baufällig noch sah es alt aus. Nein, es war diese Ausstrahlung, diese Wirkung welches es als Kind auf mich hatte. Groß, mächtig, stark und stolz. So eine Art Trutzburg inmitten von Scheunen, Stallungen und drei wunderschönen Gärten. Vor unserem Haus, genau neben der Regentonne, stand ein riesiger, alter Walnussbaum. Um diesen herum hatte Großvater eine Bank gezimmert zusammen mit einem knorrigen Holztisch. Er war nach der Feldarbeit ein Treffpunkt für Familie und Nachbarn. Hier wurde so manches Lied gesungen, so mancher selbstgebrannte Pflaumenschnaps gekippt und Pfeifenrauch in die Landluft gepustet während man am Sonnenuntergang das Wetter für den nächsten Tag ablas. Das Dach unseres Hauses diente den Schwalben mit ihren zahlreichen Nestern als Schutz. Vom Haus zu Scheune hin war eine Stromleitung gezogen. Hier konnten die kleinen Schwalben ihre ersten Flugversuche machen. Schön war es, sie zu beobachten. Die Katzen leckten sich vergeblich die Mäulchen. Die leckere Mahlzeit flog ihnen einfach zu hoch. Auch eine Garage war auf unserem Hof zu finden. Davor zwei Hundehütten an denen Tasso und Wotan angekettet, Besucher argwöhnisch beobachteten. Ich muss immer noch schmunzeln, wenn ich an unseren ängstlichen Briefträger denke. An unserem Eingangstor befand sich eine riesige Klingel. Sobald der Briefträger nur in der Nähe war, begannen die beiden Hunde zu bellen und die Zähne zu fletschen. Sie zerrten an ihren Ketten und zogen so ihre Hundehütten über den halben Hof. Der traute sich meist nicht einmal in die Nähe der Klingel und so rief er lauthals: „Die Post ist da!“ Großmutter ist dann ganz schnell zum Hoftor geeilt damit Briefträger Müller das Weite suchen konnte. Unser schönes Haus war übrigens in zwei Hälften geteilt. Das nannten wir Kinder - mein kleine Schwester und ich - Himmel und Hölle. Unten da wohnten unsere Großeltern die uns mit viel Liebe in der wenigen Zeit , die ihnen die Arbeit noch liess, versuchten die Eltern zu ersetzen. Sie waren meine eigentlichen Eltern - Pflegeeltern. Oben im ersten Stock wohnten eigentlich wir und sollten wie es sich gehört, von unserer Mutter behütet aufwachsen. Da diese aber kein Interesse an uns hatte, wohnten wir also unten bei unseren Großeltern , die eigentlich auch unsere Eltern waren. Dort haben wir den ganzen Tag verbracht! Mehr will ich davon nicht erzählen denn das würde die schöne Geschichte zerstören.
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