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Die Bahnhofstraße 41 heute - leider habe ich keine alten Fotos

Bahnhofstraße 41


In einem kleinen Dörfchen im Taunus erlebte ich wenn auch mit
kleinen Unterbrechungen meine Kindheit.
Damals war Anspach im Taunus noch eine kleine Gemeinde.
Sie überwiegend aus Bauernhöfen auf denen die Feldarbeit und die Nutztiere
im Vordergrund standen.
Es gab einen kleinen Konsum, eine Apotheke, einen kleinen Friseur sowie
einen Laden, wo man sich mal hin und wieder Kleidung kaufen konnte.
Schliesslich fuhr der Bahnbus zur Kreisstadt nur zweimal am Tag.
Das grösste Gebäude in unserem Dorf war unsere Kirche und das Gemütlichste,
unser kleines Backhäuschen.
Dort kamen wir Dorfkinder einmal wöchentlich zusammen, beladen mit unseren Blechen,
um das Brot backen zu lassen. Das war nämlich damals unsere Arbeit – der Beitrag von uns Kindern. Wir mussten in Haus und Hof altersgemäss unseren Beitrag leisten.
Es war eine sehr schwere, lehrreiche und schöne Kindheit aus der ich Euch hier einige kleine
Geschichten erzählen möchte.
Geschichten von damals. Zeiten, in denen man mich das kleine Kieselsteinchen nannte.

Wer mag, kann mich gerne auf meiner Reise in die Vergangenheit begleiten. Auch wenn vieles nicht immer leicht war wie sagt man?
"Aber schön war es doch!"

In meinen kleinen Geschichten werden wir zusammen alles noch einmal aufrollen und diesem Haus und seinen Bewohnern ein Denkmal in die Herzen setzen.
Das Haus an der Bahnhofstraße mit der Nummer 41.

Nun ist es also beschlossene Sache! Die Bahnhofstraße 41 wird als Buch, Mitte des Jahres 2009 in die Buchläden geschickt. Deshalb kann man die kleinen Geschichten hier als Leseproben betrachten.

 

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Das alte Haus

Mir kam das Haus zu jener Zeit und auch später niemals alt vor.
Es war weder baufällig noch sah es alt aus.
Nein, es war diese Ausstrahlung, diese Wirkung welches es als Kind auf mich hatte.
Groß, mächtig, stark und stolz. So eine Art Trutzburg inmitten von Scheunen, Stallungen
und drei wunderschönen Gärten. Vor unserem Haus, genau neben der Regentonne, stand ein
riesiger, alter Walnussbaum. Um diesen herum hatte Großvater eine Bank gezimmert zusammen mit einem knorrigen Holztisch. Er war nach der Feldarbeit ein Treffpunkt für
Familie und Nachbarn. Hier wurde so manches Lied gesungen, so mancher selbstgebrannte
Pflaumenschnaps gekippt und Pfeifenrauch in die Landluft gepustet während man am Sonnenuntergang das Wetter für den nächsten Tag ablas.
Das Dach unseres Hauses diente den Schwalben mit ihren zahlreichen Nestern als Schutz.
Vom Haus zu Scheune hin war eine Stromleitung gezogen. Hier konnten die kleinen Schwalben ihre ersten Flugversuche machen.
Schön war es, sie zu beobachten. Die Katzen leckten sich vergeblich die Mäulchen.
Die leckere Mahlzeit flog ihnen einfach zu hoch.
Auch eine Garage war auf unserem Hof zu finden. Davor zwei Hundehütten an denen Tasso
und Wotan angekettet, Besucher argwöhnisch beobachteten.
Ich muss immer noch schmunzeln, wenn ich an unseren ängstlichen Briefträger denke.
An unserem Eingangstor befand sich eine riesige Klingel.
Sobald der Briefträger nur in der Nähe war, begannen die beiden Hunde zu bellen und die Zähne zu fletschen. Sie zerrten an ihren Ketten und zogen so ihre Hundehütten über den halben Hof. Der traute sich meist nicht einmal in die Nähe der Klingel und so rief er lauthals:
„Die Post ist da!“
Großmutter ist dann ganz schnell zum Hoftor geeilt damit
Briefträger Müller das Weite suchen konnte.
Unser schönes Haus war übrigens in zwei Hälften geteilt.
Das nannten wir Kinder - mein kleine Schwester und ich - Himmel und Hölle.
Unten da wohnten unsere Großeltern die uns mit viel Liebe
in der wenigen Zeit , die ihnen die Arbeit noch liess, versuchten
die Eltern zu ersetzen. Sie waren meine eigentlichen Eltern - Pflegeeltern.
Oben im ersten Stock wohnten eigentlich wir und sollten
wie es sich gehört, von unserer Mutter behütet aufwachsen.
Da diese aber kein Interesse an uns hatte, wohnten wir also unten
bei unseren Großeltern , die eigentlich auch unsere Eltern waren.
Dort haben wir den ganzen Tag verbracht!
Mehr will ich davon nicht erzählen denn das würde die schöne Geschichte zerstören.
 

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